zondag 10 augustus 2008

Plastiktüte mit Brisanz

Neue Daten aus Liechtenstein - 04.08.2008, 18:34

Ermittlungen gegen deutsche Steuersünder

Dreckig, unaufrichtig, vulgär

Die Landesbank spielte mit und verhandelte monatelang auf eigene Faust und ohne die Polizei einzuschalten mit dem Erpresser. Sie bot ihm unter anderem eine lebenslange Rente. Immer wieder traf sich ein LLB-Vorstandsmitglied mit Lampert, dem dabei die Sprengkraft des Materials in seinen Koffern bewusst geworden sein muss. Von Treffen zu Treffen schraubte er seine Forderungen nach oben auf zuletzt 18 Millionen Schweizer Franken.

Polizei-Aktion im Ausflugslokal

Das war selbst den großzügigen LLB-Verantwortlichen zu viel. Eine anständige Bank lässt sich schließlich nicht erpressen. Sie rief die Polizei, die Lampert am 8. Mai 2003 in einer filmreifen Aktion in einem Ausflugslokal überwältigte. 2003 wurde er wegen teils versuchter, teils vollendeter Erpressung zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Inzwischen wurden weitere sechs Jahre draufgelegt.

Im Nachhinein erwies es sich als Verhängnis, dass Liechtenstein so klein ist. Das Fürstentum verfügt nur über ein Untersuchungsgefängnis und hat keinen ordentlichen Knast. Lampert landete im österreichischen Garsten hinter Gittern, wo er offenbar mit den entsprechenden Kreisen in Kontakt kam. Die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag spekulierte neulich, Lampert habe womöglich "die brisanten Kundendaten einem aus dem Gefängnis heraus operierenden Verbrechersyndikat verkauft".

Eine Mutmaßung. Sicher ist, dass die Unterlagen irgendwie in die Hände des nunmehr in Rostock angeklagten Freitag gelangten. Der wusste mit den sensiblen Daten gleich etwas anzufangen. Er spielte Klingelmännchen für Erwachsene. Freitag besuchte mit einem Komplicen deutsche LLB-Kunden, zeigte ihnen ihre Kontoauszüge und verabschiedete sich wieder. Ihm war klar, dass die Kunden gleich bei der Bank anrufen würden. Die LLB reagierte erwartungsgemäß und hochprofessionell.

Ein Züricher Anwalt traf sich im Auftrag der Bank in Hamburg mit einem Vertreter der Wirtschaftsdetektei Espo, die auch ehemalige Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) beschäftigt. Profis eben. Im Juni 2005 kamen zwei der Detektive in Lübeck mit Freitag zusammen, den sie, wenn sie unter sich waren, nur "Glatze" nannten. "Glatze" Freitag war begeistert. Die kapierten, wie es laufen musste. Natürlich habe er alle Unterlagen und natürlich sei er auch zu vielem Bösen bereit. Ein guter Anwalt habe neulich mal einen Bremer Finanzbeamten gefragt, ob der an solchem Material interessiert sei: "Brennend".

Ware gegen Geld

Also beschloss die LLB, das Geschäft nach den Regeln des Kapitalismus zu regeln: Ware gegen Geld. In insgesamt drei Tranchen sollten 13 Millionen Euro an Freitag gezahlt und gegen alle Kundendaten getauscht werden. 7,5 Millionen Schweizer Franken betrug die erste, vier Millionen Euro die zweite Tranche. Zwei Drittel der Daten wurden übergeben. Der letzte Teil des Geschäfts sollte im Sommer 2009 abgewickelt werden. Die Bank wusste, dass mit Freitag nicht zu spaßen war. Bei einer Zeugenvernehmung sagte später ein LLB-Geldmanager, es sei wichtig gewesen, "dass eine endgültige Regelung gefunden wurde". Auch Lampert sollte einen Teil der Zahlungen erhalten.

dinsdag 5 augustus 2008

Neue Daten aus Liechtenstein

04.08.2008, 18:34

Von Hans Leyendecker und Uwe Ritzer

Im Rostocker Prozess um die Erpressung der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) sind Bankdaten von 1850 wohlhabenden Bundesbürgern aufgetaucht - die meisten Steuerflüchtlinge. Der LLB-Fall könnte größer werden als der LGT-Fall, der mit Zumwinkel begann.

Grossbild
Der Hauptangeklagte mit seinen Anwältinnen im Landgericht Rostock beim Prozess gegen mutmaßliche Erpresser der Liechtensteinischen Landesbank LLB . (Foto: )
Raum 201 des Rostocker Landgerichts war früher der Festsaal der örtlichen Stasi-Zentrale. Dort, wo einst die Spitzel feierten und tanzten, findet seit April der Prozess gegen drei Männer statt, die versucht haben sollen, die Liechtensteinische Landesbank (LLB) mit den Daten deutscher Kunden zu erpressen.

Als die Steuer-Feste Vaduz geknackt wurde
Das Verfahren gegen einen vierten Angeklagten wurde abgetrennt. An jedem Verhandlungstag setzt sich auch ein Advokat aus Zürich in den Zuhörerraum und macht sorgfältig Notizen. Er schreibt im Auftrag der Bank mit. Das Geldhaus in Vaduz ist schließlich für seine Akkuratesse bekannt. Für die Aufzeichnungen vom vergangenen Freitag werden sich eines Tages vielleicht liechtensteinische oder Schweizer Historiker interessieren. Ausgerechnet am 1. August, dem Schweizer Nationalfeiertag, ist möglicherweise die Steuer-Feste Vaduz geknackt worden.

Es war gegen zehn Uhr, als die Hamburger Anwältin Leonore Gottschalk-Solger mit einer prall gefüllten schwarzen Plastiktüte in der Hand zum Richtertisch schritt. Die erfahrene Juristin, Jahrgang 1936, die schon arabische Flugzeugentführer, RAF-Terroristen, große Wirtschaftskriminelle, gewöhnliche Säuremörder und schillernde Kiez-Größen verteidigte, hatte zuvor in einem Beweisantrag die Vernehmung von 1850 weiteren Zeugen gefordert.

Kontodaten von 1850 wohlhabenden Bundesbürgern
Als sie nach vorne ging, nahm sie nicht das Raunen im Saal wahr, sondern sinnierte nur darüber, "wie schwer doch Papier sein kann". Die mehr als 500 Blätter, die sie schleppte, wiegen im doppelten Wortsinn eine Menge. In der Tüte steckten Kontounterlagen, Belege, Aufzeichnungen aus Handakten und vielerlei sonstige Dokumente über geheime Konten von 1850 wohlhabenden Bundesbürgern, von denen die meisten gemeine Steuerflüchtlinge sind. Auch ihre Geheimcodes sind jetzt nicht mehr geheim. Staatsanwalt Martin Fiedler, Jahrgang 1972, geht davon aus, dass die Belege echt sind. Über den Daumen gerechnet schätzt er den dokumentierten Vermögenswert auf drei bis vier Milliarden Euro.

In ihrem Beweisantrag hatte Anwältin Gottschalk-Solger gefordert, dass die Kunden in dem Prozess Auskunft darüber geben sollten, ob ihr in Liechtenstein verstecktes Vermögen Schwarzgeld war und ob die Landesbank davon wusste. Natürlich werden nicht alle 1850 geladen werden. Das hätte nicht mal die Stasi gemacht. "GS", wie die Hamburger Juristin nach den Initialen ihres Doppelnamens genannt wird, will nur eine mildere Strafe für den von ihr und der Kollegin Astrid Denecke vertretenen Hauptbeschuldigten.

Der LLB-Fall wäre größer als der LGT-Fall
Der heißt Michael Freitag und ist kein sehr umgänglicher Zeitgenosse. Zu seinem Lebenslauf gehört die Beteiligung an zwölf Banküberfällen, die Entführung eines Kaufmannssohns, er hat auf einen Polizisten geschossen und soll auch mal einen Bordellbesitzer erschossen haben, was ihm nicht nachgewiesen werden konnte. Diesmal droht ihm Sicherungsverwahrung. Eine Tüte hergeben oder für immer weggesperrt werden - war das die letzte Alternative?

Die Übergabe in Saal 201 könnte eine Lawine lostreten, die aus Sicht der Liechtensteiner jede Aussicht auf ein schnelles Ende des geschäftsschädigenden Wirtschaftskrimis unter sich begraben würde. Seit Monaten ermitteln Bochumer Staatsanwälte und ein Großaufgebot von Steuerfahndern gegen Hunderte deutscher Steuerhinterzieher, die sich viele Jahre bei der liechtensteinischen LGT-Bank sicher gefühlt hatten. Umfangmäßig würde der LLB-Fall den LGT-Fall um ein Mehrfaches übertreffen.

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Im LGT-Fall hatte der Bundesnachrichtendienst von einem Ex-Mitarbeiter der Bank für 4,6 Millionen Euro Kundendaten gekauft und an die Wuppertaler Steuerfahndung weitergereicht. Die LGT-Bank gehört der Fürstenfamilie und wird deshalb auch Fürstenbank genannt. Jetzt wird es auch für Kunden der Bank, die mehrheitlich dem Land gehört, eng. Wenn die Fürstenbank und die Landesbank Steuerhinterzieher anziehen, dann darf auch angesichts der gebotenen Unschuldsvermutung ein fragwürdiges System vermutet werden.

Volkszorn gegen das Steuerparadies
Beide Fälle könnten beachtliche politische Folgen haben. In Berlin bereitet Finanzminister Peer Steinbrück Sanktionen gegen das Fürstentum vor. Es schützt seit Jahrzehnten deutsche Steuerhinterzieher, weil Vaduz in diesen Fällen keinerlei Amtshilfe gewährt. Die Geldverwalter würden eher ein verfängliches Papier hinunterschlucken als Steuerbeamten den Namen eines Klienten zu nennen. Soviel Verschwiegenheit findet ein Teil der deutschen Elite vorbildlich, der ehrliche Steuerzahler findet ihn vermutlich eher kriminell.

Seit der frühere Deutsche-Post-Chef und LGT-Kunde Klaus Zumwinkel Mitte Februar aufflog, richtet sich der Volkszorn nicht nur gegen die Abzocker aus der Oberschicht, sondern auch gegen das Steuerparadies der Sünder. Den Offshore-Finanzplatz endlich auszutrocknen, dessen Geldhäuser in Deutschland immer noch mit Slogans wie "Liechtenstein in Ihrer Nähe" werben, könnte auch im anlaufenden Wahlkampf Punkte bringen. Liechtenstein steht für Betrug durch Leute wie Zumwinkel und für das Versagen der deutschen Elite.

Massiver Druck vom US-Senat
Wenn heute in Deutschland "die da oben" angeprangert werden, folgt das Wort Liechtenstein auf dem Fuß: "Die da oben in Liechtenstein" wäre der Sammeltitel für die Skandale unserer Tage. Fachleute schätzen, dass es in Liechtenstein 20.000 Stiftungen deutscher Steuerflüchtlinge gibt. Das Grummeln der Deutschen ist aber nichts verglichen mit dem Druck, den derzeit der amerikanische Senat macht. Er will, koste es, was es wolle, das 160,4 Quadratkilometer große Schlupfloch stopfen, dessen Bewohner so viel Wert auf Diskretion legen.

Die Geschichte, die fürs erste in Saal 201 des Rostocker Landgerichtes endete, begann im August 2000 in Vaduz, als einer der vermeintlich so treuen LLB-Angestellten eine brisante Sammlung begann. Insgesamt 2325 mal holte Roland Lampert in den folgenden zweieinhalb Jahren die Konto- und Depotverbindungen deutscher Kunden auf seinen Computer und druckte sie aus. Als Gruppenleiter in der Wertschriftenverwaltung hatte der gelernte Kaufmann auch zu anonymen Konten und vertraulichen Passwörtern ungehinderten Zugang.

18 Millionen Schweizer Franken gefordert
Lampert sammelte die Blätter in Koffern. Als er Anfang 2003 überraschend kündigte, flog alles auf. Das Entsetzen in der LLB über die Tat an sich war groß, aber auch die Verwunderung. Lampert, ausgerechnet Lampert! Dieser unauffällige, biedere Familienvater mit der Doppelhaushälfte in einem bürgerlich-braven Vaduzer Wohnviertel. Fast wäre die LLB billig davongekommen. Als Gegenleistung für die Herausgabe der brisanten Kundendaten verlangte Lampert zunächst nur die Reduzierung seiner Hypothek.

zaterdag 2 augustus 2008

Steuerfahndung

10.03.08 Aus FOCUS Nr. 11 (2008)

FOCUS Magazin

„Leben gefährdet“

BND-Informant Heinrich Kieber ist zurückgekehrt – und stellt neue Forderungen an den Geheimdienst

Von den FOCUS-Korrespondenten Hubert Gude und Kayhan Özgenc, FOCUS-Redakteur Josef Hufelschulte und FOCUS-Redakteurin Tanja Treser

30.03.2008
Steueraffäre:
Liechtenstein fordert Auskunft über BND-Informant
08.03.2008
Steueraffäre:
BND-Informant will neue Identität
20.02.2008
Steueraffäre:
BND-Informant kein Betrüger Eigentlich lief es bisher recht gut für den Datendieb aus Liechtenstein: Der Bundesnachrichtendienst (BND) machte Heinrich Kieber nicht nur zum Millionär – als Gegenleistung für Kontodetails der vermögenden Steuerflüchtlinge bei der Liechtensteiner LGT-Bank. Zusätzlich zu den 4,2 Millionen Euro erhielt der Ex-Bankangestellte von den Geheimen zwei neue Pässe mit Aliasnamen. Alles ganz legal.

Glücklich und zufrieden lebt der Informant trotzdem nicht. Kieber hat sich nach FOCUS-Informationen beim BND zurückgemeldet. Etliche Anrufe und E-Mails des aus Australien nach Europa zurückgekehrten Kieber haben den BND aufgeschreckt. Der Auslandsgeheimdienst, dem es nicht gelang, die wahre Identität Kiebers zu schützen, müht sich, den 42-Jährigen im Zaum zu halten. „Ihr gefährdet mein Leben“, hatte der Informant seinem Agentenführer am Telefon vorgeworfen. Dabei gefährdet sich Kieber mit der Kontaktaufnahme selbst – und bricht zudem alle Regeln der Spionagekaste.

Die Quelle hat Angst und verlangt jetzt „ultimativ“ eine weitere Identität vom BND, um damit eventuell in Südame-rika unterzutauchen. Der Geheimdienst lehnte vorerst ab.

Der erneute Auftritt des Informanten fügt sich zu einem weiteren Kapitel in einem der größten deutschen Steuer-skandale, der unter anderem Post-Chef Klaus Zumwinkel seinen Job kostete. Kaum ein Tag ohne Durchsuchungen der Steuerfahnder oder neue Selbstanzeigen – immerhin 125 bis vergangenen Donnerstag. Viele Steuersünder pokern und zittern aber noch. Dabei könnten auch sie auf jener DVD mit Daten zu mehr als 900 Stiftungen auftauchen, die Kieber bei der LGT entwendet hatte.

Der Fall ist auch in politischer Hinsicht brisant. Die Bundesregierung setzte das Fürstentum massiv unter Druck und forderte schärfere Gesetze gegen Steuerhinterziehung. Erbprinz Alois, amtierendes Staatsoberhaupt des Fürstentums, konterte und warf der Bundesregierung vor, „Hehlerei im großen Stil“ zu betreiben. Schließlich hatte Kieber die Daten gestohlen.

Derzeit bangt die Fürstenfamilie nach FOCUS-Recherchen vor allem um ihr Vermögen in Deutschland. Die LGT unterhält Bankfilialen unter anderem in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Mannheim und München. Der deutsche Staat könnte diese Werte, so die Befürchtung, im Wege der Vermögensabschöpfung beschlagnahmen („arrestieren“).

Als Entlastungsangriff plant das Staatsoberhaupt daher ein weit reichendes Friedensangebot: Liechtenstein will sichbereit erklären, auch die Stiftungseinkünfte von Deutschen zu besteuern – und dieses Geld anonym, aber komplett an den hiesigen Fiskus abzuführen. Insgesamt kalkulieren die Finanzverwalter des Fürstentums mit einem jährlichen Volumen zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro.

Mit der Offerte, so die Hoffnung der international in Bedrängnis geratenen Liechtensteiner, könnten sie das umstrittene Stiftungsmodell retten. Erbprinz Alois will sein Angebot den Deutschen demnächst unterbreiten.

Fürstliches Angebot

Auch für Stiftungen will Liechtenstein künftig Quellensteuer erheben und an Deutschland abführen.


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In die Kassen des deutschen Fiskus fließen demnach jährlich bis zu 1 Milliarde Euro.

Urs Tinner

Sunday July 30, 2006

Looking back, however, I wonder: How did I miss Tinner’s role?

The German press reported in early 2005 that Tinner was a CIA informant, after German authorities arrested him and the US government apparently intervened to stop the prosecution of Tinner. Der Spiegel, in particular, had several stories about Tinner that suggested he was a CIA informant . Centrist Newsweekly Munich Focus nailed the BBC China connection in early 2005:

Tinner’s case is explosive because the high-tech mercenary apparently provided not only Libya, but also its archenemy, the United States, with sensitive information: in confiscated files of Tinner, investigators found reports that—according to an insider—“only make sense if they were written for an intelligence service.”

Investigators believe that Tinner served as an informer for the US intelligence service CIA or the US military intelligence service DIA (Defense Intelligence Agency).

zondag 22 juni 2008

Kieber Sale of Liechtenstein Data Triggers Backlash

By Alan Katz and Joshua Gallu

June 18 (Bloomberg) -- Heinrich Kieber used a bogus check to buy an apartment in Barcelona, Spain, and tried to blackmail a prince.

He finally got rich by selling stolen bank account data from LGT Group, owned by Liechtenstein's royal family, to German agents, according to the bank. The German government said it paid as much as 5 million euros ($7.8 million) for the data.

Kieber, a 43-year-old computer technician, triggered probes in 14 countries when he handed over computer disks containing about 1,400 names, prompting France to pledge a crackdown on tax havens when it assumes the European Union presidency next month. Germans alone have $485 billion of undeclared assets deposited abroad, according to the country's BBW research institute.

``He's managed to generate the biggest political backlash against tax havens in more than a decade,'' says Pascal Saint- Amans, head of the tax competition division at the Organization for Economic Cooperation and Development in Paris. ``Kieber has really put Liechtenstein in a very difficult situation.''

LGT tried to stop Kieber from releasing the data five years ago when it agreed to help him fight a fraud conviction if he returned the disks, according to his lawyer at the time. That came after he sought help from Liechtenstein officials by telling them he had escaped from kidnappers, then threatened to give the data to foreign authorities unless Prince Hans-Adam II provided legal assistance, the principality's top prosecutor said.

``It's always very dangerous to make a deal with a criminal because you are in most cases the loser,'' says Wolfgang Mueller, the lawyer LGT hired to represent Kieber in 2003 as part of his agreement to turn over the disks.

`The Good Guy'

Jack Blum, a lawyer at Baker & Hostetler in Washington, says Kieber hired him to collect fees he's eligible for after giving the data to U.S. authorities. U.S. law allows whistleblowers to collect 30 percent of any taxes recovered as a result of the information they provide.

Kieber is in a witness protection program because bankers, LGT clients and even drug dealers who had money in Liechtenstein are trying to find him, says Blum, who declined to identify the country that is protecting his client.

``My two interests are keeping him alive and making sure everybody in this chain knows he's the good guy in this case,'' says Blum, a former U.S. Senate investigator and expert in offshore money laundering.

The Senate's Permanent Committee on Investigations has issued subpoenas in conjunction with a probe of possible tax evasion by Americans with accounts at Liechtenstein banks.

A former UBS AG private banker, Bradley Birkenfeld, is cooperating with a separate Justice Department investigation into whether U.S. citizens evaded taxes with the help of Liechtenstein banks. On May 13, prosecutors unsealed an indictment alleging that Birkenfeld and Mario Staggl, a Liechtenstein banker, helped Americans set up shell companies to hide assets.

Family Ties

Kieber was born in Mauren, Liechtenstein, on March 30, 1965. He moved to Barcelona, his mother's hometown, when he was 17 and enrolled in the three-year sales and business administration program at the Escuela Suiza, which teaches courses in Spanish and German. He dropped out after one year, says Arturo Santeugini, head of administration and finances at the school.

``He was a decent student, though he had a lot of problems with his Spanish,'' says Santeugini, who taught a law course to Kieber.

While in Barcelona, Kieber told friends he was a member of the billionaire Hilti family but used an alias because he was afraid of being kidnapped, according to two people with direct knowledge of his claims. The Hilti family, which owns power-tool maker Hilti AG, was worth as much as 5 billion Swiss francs ($4.8 billion) in 2007, according to Bilanz, a Swiss business magazine.

`You Don't Like Me'

Kieber isn't related to the Hiltis, though his father, Alfons, worked for closely held Hilti AG as a machine operator and later a photographer, according to a person close to the Schaan, Liechtenstein-based company.

The Kieber family traces its links in Mauren, a town of 3,600 people, back to 1692, according to a family tree sold by the town hall.

Sandwiched between Switzerland and Austria, Liechtenstein has 35,000 residents and covers an area the size of Washington, D.C. Bank secrecy laws helped the state generate 29 percent of its 5.2 billion Swiss-franc economy from financial services last year, more than double the proportion in Switzerland.

Mueller, 70, says he knew the Kieber family before Heinrich became his client.

``I told him, `If your father, whom I knew very well, knew what his son did, he would roll over in his grave,''' Mueller says. ``And then he cried, and with tears in his eyes said, `You don't like me, either.'''

Unfunded Check

In the 1980s and '90s, Kieber worked as a computer technician at Swiss Air and the Amadeus online travel booking company in Barcelona, then hooked on with a courier firm, driving cars between Spain and Switzerland, according to the German man who sold him the Barcelona apartment.

In September 1996, while on vacation in Barcelona, Kieber bought the apartment in a white, 1970s-era building in the hilly, El Putxet neighborhood, saying he wanted to spend more time in the city, said the seller, who asked that his name not be used for fear of reprisals from Kieber's associates.

On Oct. 4 of that year the seller filed a criminal complaint alleging that Kieber wrote an unfunded check for 29.2 million pesetas ($280,000 today), says Olga Vasquez, an attorney at the Barcelona law firm Cuatrecasas who represented the plaintiffs. Kieber resold the apartment for 29.5 million pesetas a month after he bought it.

`You Must Help Me'

The civil guard, acting on that complaint, arrested Kieber in front of the Barcelo Sants Hotel, near the central train station, on Oct. 31, 1996, Vasquez says. He was questioned by police and the next day appeared before an investigating judge. Two days later, he was released pending further investigation and promptly fled Spain, Vasquez says.

By 1999, Kieber was back in Liechtenstein working for a consulting firm that was putting LGT's records into a computer system, the bank said. In 2000, LGT hired him to finish the process.

That was the year Robert Wallner became Liechtenstein's chief prosecutor. Kieber, still the target of an international arrest warrant, hit Wallner's radar screen in August.

Wallner had just given his first radio interview at a country fair. As he stepped off the platform, Kieber ran up and grabbed his hand.

``You must help me,'' Wallner, 49, recalls Kieber saying. ``A terrible injustice has been done to me.''

Argentine Kidnap

Kieber then recounted his time in the dank cellar of an Argentine ranch in 1997. He told Wallner that his captors demanded money as compensation for the apartment fraud, chained his legs to the wall, burned him with cigarettes and slashed him with a knife. Kieber said he agreed to cough up almost 700,000 Swiss francs ($670,600) to secure his freedom, then reneged when he returned to Liechtenstein, according to the prosecutor.

``He had pictures drawn that showed him lying face down on a stretcher, with his hands tied behind his back with a shackle being welded on his leg,'' Wallner says. ``And he had one that showed him wearing that and kneeling in front of his captors pleading for mercy.''

Wallner had his team investigate Kieber's claims, and a forensic medical specialist examined the marks on his legs, wrists and neck.

``I can't say with absolute certainty that it didn't happen, but we found no evidence that it did,'' Wallner says.

Instead of intervening on Kieber's behalf, Wallner charged him with fraud in the Spanish case.

Attempted Coercion

In October 2001, a civil court in Liechtenstein ordered Kieber to pay the German couple the equivalent of 615,000 Swiss francs in damages for the Barcelona apartment deal.

Kieber was indicted on charges of aggravated fraud in November 2002, Wallner says. He later sent a letter to Prince Hans-Adam and his son, Alois, warning that he had stolen the names of LGT clients and would reveal them if he wasn't freed.

The prince referred the details to police and a charge of attempted coercion was added to Kieber's case, Wallner says.

After receiving the letter, the prince asked LGT to set up a task force to stop Kieber from releasing the data, Mueller says.

The group decided to seek Kieber's cooperation, and LGT agreed to pay for his legal defense, Mueller says. Kieber was convicted and given a suspended jail sentence after he told a judge he had returned the computer disks and paid compensation for the apartment.

``The main intention in Liechtenstein was to get rid of him,'' Mueller says. ``For him to go to the Australian outback and never come back.''

Where's Kieber?

Now Liechtenstein's authorities want Kieber back.

Police in Vaduz issued an arrest warrant for Kieber on March 11 and demanded his immediate extradition if apprehended abroad. The next day, Germany said it needed time to consider whether it could aid in the search.

Wallner says he hasn't received a reply from the German authorities. The German Justice Ministry didn't respond to five telephone calls requesting an update on the country's position.

Blum, Kieber's U.S. attorney, says he has no way to reach his client because he is in such ``deep witness protection.''

``I have no way to talk to him,'' Blum says. ``That's the problem.''

Kieber's mother, Maria, now lives in Bellach, Switzerland. On June 5, she said by telephone that she didn't know where her son was living and hadn't heard from him since he disappeared.

The German magazine Der Spiegel in March reported that Kieber had called her from San Francisco in December, and that he was now living in Australia. Telephone directory searches in Liechtenstein, Germany, Switzerland, Austria, Australia and California failed to locate Kieber.

``It's hard to defend stealing, and hard to defend people not complying with their country's tax laws,'' says James Hines, director of tax policy research at the University of Michigan. ``There are settings where there are no good guys, and this is one of them.''

To contact the reporters on this story: Alan Katz in Paris at akatz5@bloomberg.netJoshua Gallu in Zurich at jgallu@bloomberg.net

Last Updated: June 18, 2008 02:27 EDT

zondag 8 juni 2008

Gesucht: Die Petze

Porträt Heinrich Kieber

Für Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ist er ein wertvoller Informant, der prominente Steuersünder ans Messer lieferte. Für den Staatsanwalt in Liechtenstein ist er ein Verbrecher. Fest steht: Seit Beginn der spektakulären Steuer­affäre ist Heinrich Kieber von der Bildfläche verschwunden. Wieder einmal.

Die traditionsreiche Schweizerschule in Barcelona ist für ihre Schüler ein Privileg. Die Kinder kommen zumeist aus wohlhabenden, deutschsprachigen Familien. Wer das Abitur an der Escuela Suiza de Barcelona besteht, hat Deutsch, Spanisch, Katalanisch, Französisch und Englisch gebüffelt und eine gute Portion humanistischen Drill verabreicht bekommen.

Heinrich Kieber war 16, als seine spanischstämmige Mutter Maria ihn 1981 in Barcelona einschulte, und er hatte Mühe, mitzuhalten. Bis zum Abitur brachte er es nicht. Nur sein ­Talent zur Hochstapelei bewies er bereits erfolgreich. Seinem Mitschüler Kai R., Sohn eines erfolgreichen deutschen Unternehmers, vertraute Kieber an, dass er eigentlich "Hilti" mit Familiennamen heiße. Hilti wie die liechtensteinische Dynastie, deren Bohrmaschinen auf der ganzen Welt berühmt sind. Den Namen Kieber trage er nur aus Angst vor Erpressern oder Terroristen. Tatsächlich hatte er mit den Hiltis nicht das ­Geringste zu tun. Doch fortan war Heinrich im Elternhaus des deutschen Schulkameraden ein gern gesehener Gast.

Heute ist er bei der Familie längst nicht mehr gelitten. Auch in Kiebers Heimat, dem Fürstentum Liechtenstein, ist er aufgeflogen. "Ein Spitzbub", sagen sie, das klingt niedlicher, als es gemeint ist. "Der hat das Schaffen nicht erfunden." Dem Liechtensteiner Staatsanwalt ist die Sache ernst: Kieber wird seit März mit internationalem Haftbefehl gesucht, sein Wanted-Foto steht auf der Internetfahndungsseite der Landes­polizei. Er wird verdächtigt, Tausende Kundendaten bei einer Treuhandfirma der fürstlichen LGT Bank gestohlen zu haben, einer der feinsten Adressen für die Superreichen dieser Welt. Als mutmaßlicher Informant des BND ist Kieber der Mann, der die Steueraffäre ins Rollen brachte, die am 14. Februar mit der Razzia beim damaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel begann.

Seitdem ist er verschwunden, wie schon so oft. Diesmal soll der BND Kieber beim Abtauchen geholfen haben, angeblich, um ihn als Zeugen zu schützen. Dazu verpassten ihm die ­Deutschen eine neue Existenz, eine Legende, wie die Geheimdienstler sagen. Vielleicht heißt die Petze nun Klieber, Flieber oder Scriba. Jedenfalls trägt der Mann sicherlich einen Namen, der phonetisch auch noch durchgeht, wenn er sich im alkoho­lisierten Zustand einmal verspricht. Nennen wir ihn einfach Henry, wie Heinrich sich vorstellte, als er vor vier Jahren offiziell zuletzt gesehen wurde.

Schon in der Schule stapelte er hoch und­ gab sich als Spross der Familie Hilti aus
Was treibt so einen, zu nötigen, zu verraten, sich mit mächtigen Banken, der Polizei und mit einflussreichen Steuersündern anzulegen? Geltungssucht und Gier beherrschten Kieber schon immer. Das zeigen geheime Dokumente und frühere Urteile gegen ihn. Und sie zeichnen das Bild eines freudlosen Starts in eine kriminelle Laufbahn.

Sein Vater, ein verschlossener Mann, wohnte bescheiden im liechtensteinischen Dorf Mauren und schlug sich als Fotograf für das Volksblatt durch, eine der beiden Zeitungen des Landes. Im Fürstentum galt der schlaksige, hochgewachsene Mann, der Gemeindevorsteher und Vereinspräsidenten sowie hin und wieder auch die Fürstenfamilie knipste, als tadelloser Bürger. Trotzdem war Sohn Henry familiär keineswegs gut aufgehoben. Die Ehe der Eltern war zerrüttet. Die zwei Jahre älteren Zwillingsschwestern gingen bereits ihren Weg ins selbstständige Leben. Daher schickte ihn die Mutter nach Spanien.

Henry kehrte 1983 ins Fürstentum zurück, um eine kauf­männische Lehre zu absolvieren. Es war die Zeit des Aufschwungs an dem verschwiegenen Finanzplatz. Für Bankkunden in Genf und Zürich, in Monaco und London gründeten die Vaduzer Treuhänder Briefkastenfirmen wie am Fließband, zwischen 1983 und 1988 mehr als 10.000 Gesellschaften. Doch Henry strebte nach der Lehre wieder nach draußen. Im Januar 1987 begann er bei der Swissair in Zürich in der Abteilung für Ertragssteuerung. Viereinhalb Jahre arbei­tete er daran, dass die Flugzeuge möglichst voll beladen in die Luft gingen. Es war sein bisher längster Job, aber er hatte andere Träume, wollte am liebsten selbst ein großer Pilot werden.

Henry ist groß, schlank, hat aber eine hohe eindringliche Stimme, die auf viele unangenehm wirkt. Auch bei den Frauen, heißt es in Liechtenstein, konnte er damals, als Mittzwanzigjähriger, nicht landen. 1992 reiste er nach Australien aus, war drei Jahre lang fort und kam mit Geschichten wieder, die für einen Mann ohne Abitur ziemlich anspruchsvoll klingen. An einer Technischen Universität in Sydney habe er "Aeroplanes and Helicopter Performances" studiert und in Neuseeland das Nelson Aviation College und die Air Academy Hastings besucht. Immerhin real existierende Adressen. Und er erzählte von eigenen Einsätzen als Pilot.

Im Sommer 1995 tauchte Henry dann in Barcelona auf, wo er zur Schule gegangen war. Zunächst will er auf einer Yacht gelebt haben, dann meldete er sich bei seinem Ex-Schulkameraden Kai R. und dessen Vater Helmut. Er wolle sich in Barcelona niederlassen und heiraten, er suche Arbeit und eine Wohnung. Helmut R. wollte Henry eine möblierte Stadtwohnung an der Roca y Battle verkaufen. Der Unternehmer bot ihm das Apartment mitsamt Möbeln und zwei Garagenplätzen für rund 370.000 Euro an und Henry willigte ein. Der Vertrag wurde mündlich geschlossen, nur Henry wusste, dass er das Geld gar nicht hatte.

Er protzte mit Studien im Ausland – dabei hat Kieber nicht einmal Abitur
Sein Dreh: Er übergab Helmut R. zwei Schecks, die dieser erst nach Unterzeichnung des Kaufvertrags einlösen sollte. Henry wusste, dass dies noch ein Weilchen dauern könnte, weil der Unternehmer noch den Güterstand mit seiner geschiedenen Ehefrau für das Grundbuchamt klären musste. Als sich die Schecks als nicht gedeckt entpuppten, hatte Henry die Wohnung schon an ein spanisches Ehepaar weiterverkauft und den Erlös auf einem Konto der Vorarlberger Sparkasse in Öster­reich deponiert. Helmut R. meldete den Fall der Polizei. Der einstige Freund des Hauses war in Ungnade gefallen. Nach kurzer Haft in Barcelona kam Henry frei und tauchte unter, am 20. Juni 1997 folgte ein neuer Haftbefehl gegen ihn.





Henrys Laufbahn zeigt nun wieder eine Lücke. Erst im Herbst 1999 meldete er sich beim Schweizer IT-Unternehmer Cesare Plozza, der in Vaduz Hilfskräfte für Temporärjobs suchte – für 25 Franken Stundenlohn. Plozza hatte mit rund 250 Mitarbeitern das Geschäft aufgezogen, für Banken die Altakten von Kunden zu scannen und zu digitalisieren. Denn die neuen Geldwäscheregeln erforderten von den Instituten schnellen elektronischen Zugriff auf diese Daten. Auch bei der LGT Treuhand war die IT-Firma, bei der Henry anheuerte, im Einsatz. Plozza hatte dort rund 25 Leute, die einen simplen Job erledigten: Papiere aus Ordnern nehmen, entklammern, Klebezettel entfernen, im Scanner stapeln, den Einzug überwachen und prüfen, ob alles erfasst ist. Auch Henry saß am Scanner.

Beim Blättern muss ihm aufgefallen sein, was er in den Händen hielt: geheime Dokumente über Millionen- und Milliardenvermögen von Industriekapitänen, Sportlern, Künstlern und Politikern. Wann genau er damit begonnen hat, sich an die Daten heranzumachen, ist nicht geklärt. Fest steht nur, dass dies nicht einfach war. Die Speicherzugänge an den PCs waren versperrt. Die Datenbänder lagerten in einem gesicherten Raum, kopieren von Dokumenten war unmöglich.

Im April 2001 übernahm die LGT Treuhand das Plozza-Team und führte die Archivierungsarbeit in eigener Regie fort. ­Henry war dabei, aber inzwischen plagte ihn die spanische Sache. Unternehmer Helmut R. aus Barcelona hatte beim Fürstlichen Landgericht auf Schadenersatz geklagt, im Oktober erging das Zivilgerichtsurteil. Henry musste den Kaufpreis für die Wohnung zahlen und der liechtensteinische Staatsanwalt eröff­nete ein Strafverfahren wegen Betrugs gegen ihn. Im November 2002 kam die Anklage. Daraufhin verlor Henry seinen Job bei der LGT und tauchte wieder ab.

Zuvor hatte Henry, das erklärte er später laut einem Capital vorliegenden, geheim gehaltenen Urteil des Fürstlichen Obergerichts, bei der LGT sogenannte DLT-Speicherbänder gestohlen. Darauf seien "das komplette System sowie alle Programme und Daten gespeichert" gewesen, also Informationen über Kunden, Konten, Stiftungen. Zusätzlich habe er Originalunterlagen mitgehen lassen.

Henry hat weiterhin gestanden, Anfang Januar 2003 dem Fürsten einen Brief geschickt zu haben, in dem er damit drohte, die Daten an Behörden in Deutschland und den USA weiterzugeben. Henry forderte zwei Pässe mit neuen Identitäten, einen Sonderstaatsanwalt und ein außerordentliches Richtergremium. Er sei ein Justizopfer. Der Fürst übergab den Fall dem Staatsanwalt zur Strafverfolgung.

Am 8. Januar 2003 unternahm Henry laut Gerichtsakten eine Reise nach Berlin. Das Ziel blieb unbekannt. Monate später schaffte es die LGT Bank über Kontaktpersonen, ihn zur Rückkehr zu bewegen. Sie bezahlte ihm den Anwalt und ein ­Apartment in Vaduz. Er zeigte sich geständig und gab vier ­Datenträger zurück. Im Oktober 2003 verurteilte ihn das Land­gericht in einem fix durchgezogenen Prozess zu vier Jahren Gefängnis. Henry legte Berufung ein. Im Januar 2004 erlöste ihn das Urteil des Obergerichts: ein Jahr auf Bewährung.

Seitdem ist Henry verschwunden. Die Daten allerdings hatte er keineswegs alle zurückgegeben. Die Bombe platzte im ­Februar 2008, mehr als fünf Jahre nach dem Diebstahl bei der LGT. Mit der Verhaftung des prominenten LGT-Kunden Zumwinkel begann eine der größten Steuerrazzien der Bun­des­republik. Dessen Daten und die von 600 weiteren Steuerhinterziehern soll Henry dem BND für rund 4,2 Millionen Euro verkauft haben. Bundesfinanzminister Steinbrück jubelte: "Das beste Geschäft meines Lebens." Das einzige ­Problem: Nach seinem Geschäftspartner wird international gefahndet.

von Leo Müller
capital.de, 06.06.2008